Das betrachtende klösterliche Leben innerhalb der Mission

1933

Lecture [German]

 


MR.

Das betrachtende klösterliche Leben innerhalb der Mission

[1]


Der Reichtum des katholischen Lebens ist wunderbar. So verschieden teilt der H. Geist seine Gaben mit, dass wir immer wieder staunen über die Herrlichkeit der katholischen Kirche, welche unter so manchen Formen das Leben mit und für Gott ermöglicht und alle Formen zusammen gliedert zu einer harmonischen Einheit, worin die Verschiedenheit die Einheit nicht stört, gerade um so schöner hervortreten lässt und den vollen Reichtum dieses Lebens zeigt. Gott will, dass alle diese Formen zu uns reden und uns die Gaben des Heiligen Geistes erst gut würdigen lassen.[2] Der Samen des Glaubens ist in unsere Herzen gelegt, er ist ausgewachsen zu einer Pflanze, die ihren Weg und ihre Stelle sucht im Garten der Kirche. Nicht alle Bäume tragen Frucht, es gibt auch welche, die dazu da sind, andern Fruchtbarkeit zu verleihen oder sie zu schützen und die Anlage des Gartens zu vervollständigen und vollkommen zu machen. [2] Und wo der Herr spricht von seiner Liebe und seinen Sorgen für seinen Weingarten, da spricht er nicht nur vom Weinstock, sondern auch von den Mauern, dem Warteturm und den Turmwärtern, von den Dienern und Knechten, die alle notwendig sind damit die Frucht zur rechten Zeit gewonnen werde.[3] Wenn wir im Garten der H. Kirche herumschauen, und den Reichtum und die Herrlichkeit betrachten, die sich uns da zeigt, dann jauchst unser Herz, und wir werden innerlich zutiefst ergriffen von der wunderbaren Verschiedenheit des Lebens in den vielen Mitgliedern der Kirche und verstehen, wie der Herr es vergleichen konnte mit einem Leib, einem mystischen Leib, wovon Er selber das Haupt, wir alle die Glieder sind, nicht alle mit derselben Funktion beauftragt, nicht alle mit gleichen Gaben ausgerüstet, jedoch alle teilnehmend in und an dem einen Leben des Ganzen.[4] Ob wir unseren Blick hinwenden zur Kirche als Ganzes oder zu einer ihrer Gliederungen, ihren Bistümern oder Vikariaten, zu deren Verwaltung die Nachfolger der Apostel von Gott berufen wurden, wir finden überall das nämliche reiche Leben und die herrliche Offenbarung, dass der Geist seine Gaben auf mancherlei Weise gibt und die Mitglieder der Kirche zu den verschiedensten Arbeiten aufruft. Sicher, wir verstehen, dass in einer kaum begründeten Mission der Samen nicht auf einmal zum höchsten Wachstum kommen kann, wir schauen jedoch gespannt nach der Anlage, ob sie zu rechter Zeit die [3] Fruchte Verspricht, die wir erwarten müssen, ob das reiche Leben da die richtigen Lebensbedingungen vorfindet.

Wie sich in einem Garten Hauptpartien unterscheiden von weniger wichtigen Nebenpartien, wie in den Hauptpartien die charakteristische Anlage erkennbar ist, wie in einem Körper nicht alle Teile gleich notwendig sind, sondern es Körperteile gibt, die nur eine unbedeutende Rolle spielen neben anderen, die überaus wichtig und unentbehrlich sind, so steht es auch mit der Kirche. Das Leben ist reich in grosser, wunderbarer Verschiedenheit, nicht alle Aüsserungen dieses Lebens haben gleiche Bedeutung, nicht alle Teile haben gleichen Wert. Es gibt derart wichtige Teile, dass sie unentbehrlich sind für das Leben und zugleich die höchsten Aüsserungen des Lebens ermöglichen. So ist es auch mit dem Garten der Kirche, so ist es mit dem mystischen Leibe Christi. Es gibt auch in diesem Garten Partien, die die eigentliche Schönheit der Kirche hervorrufen und die Bewunderung der Völker auf sie lenken. Es gibt in diesem Körper erste Bedingungen für das Leben und Organe, die zu den höchsten und schönsten Lebensaüsserungen angeordnet sind. Man hat dann und wann von Stellvertretung der verschiedenen Organe unter einander gesprochen. Das ist nicht das richtige Wort; es wäre viel richtiger, von Differentiation der Organe in einem organisch aufgebauten [4] Körper zu sprechen, worin die Hauptbestandteile an erster Stelle erforderlich sind, die andern weniger hoch angeschlagen werden, alle jedoch mit einander arbeiten in innigster Lebensgemeinschaft. Die Kirche ist die Unio der Menschen, damit sie einerseits die Gnaden Gottes erhalten, das heisst der Vereinigung mit Gott teilhaft werden, andererseits Gott verherrlichen und Ihm dienen in dankbar anerkannter Abhängigkeit. Gott will eine wunderbare Wechselwirkung zwischen diesen beiden Aufgaben seiner Kirche und wird seine Gnaden den Menschen mitteilen in Uebereinstimmung mit dem Dienste, den sie Ihm leisten. Die Kirche ist die schönste Offenbarung der göttlichen Liebe, sie soll aber auch der schönste Gottesdienst sein. Der Mensch ist auf Erden verpflichtet und an erster Stelle berufen, Gott zu verherrlichen, Ihm zu dienen und dafür einmal den höchsten Lohn zu erhalten, das wiederum ist ein ewiges Gotteslob, ein nicht mehr aufhörender Gottesjubel. Wie das Loben und Preisen Gottes das Höchste und Schönste ist im himmlischen Leben, so ist es auch das Höchste und Schönste in der Kirche Gottes auf Erden, und wir sollen immer in dieser Aufgabe der Kirche, in der Anbetung und in der Lobpreisung Gottes die wichtigste und erste Funktion der Kirche sehen. [5]

Wo die Kirche das ausser Acht lassen würde, hätte sie ihre höchste und grösste Schönheit wie mit einem Schleier verhüllt. Wie schön ist es, wenn wir in unseren Dörfern und Städten jeden Morgen die Glaübigen zur Kirche gehen sehen, um mit Gottesdienst, mit einem Akt der Anbetung und Lobpreisung Gottes[5] den Tag anzufangen. Gewiss, auch ausserhalb der Kreise, welche jeden Morgen zur Kirche gehen, wird ein gottesdienstlicher Akt nicht selten sein, werden viele auch hinknieen, um Gott zu loben und anzubeten, schöner aber ist es unbedingt, dazu zusammen zu kommen und ausdrücklich diesen heiligen Akt zu vollziehen. Das Chorgebet der Priester wird von denselben Gedanken eingegeben und beherrscht. Zu bestimmten Zeiten kommen die Religiosen und Priester zusammen, um zu beten, in innere Gemeinschaft mit Gott zu treten und Ihm den Zins der Anbetung zu geben. Die Einrichtung und Organisation der Kirche macht es jedoch möglich, dass eine bestimmte Zahl dem himmlischen Bräutigam gewidmeter Seelen ihr ganzes Leben dieser schönen Aufgabe widmen und, in steter Gemeinschaft mit Gott, seine Liebe betrachten, seine Werke preisen und immer wieder sein Lob singen. Das ist keine Stellvertretung, das ist die herrliche Funktion eines Gliedes des mystischen Körpers, mit der die andern Teile durch die Gemeinschaft der Heiligen sehr innig verbunden sind. Wie der Pulsschlag, [6] der sich im ganzen Körper spüren lässt, im Herzen sein Ursprung und seine grösste Kraft hat, und vom Herzen aus sich über den Körper verbreitet, so soll auch das Gebet, die ewige Anbetung Gottes, einen eignen Herd haben, wo das Feuer der Liebe am stärksten brennt, die Liebe das Blut durch den Körper treibt und so in der Kirche die Funktion der Anbetung, den wahren und ersten Gottesdienst, zu Recht kommen lässt.

Wo dieses fehlt, da fehlt das Schönste, da sieht man nicht in voller Klarheit, wozu die Liebe Gottes den Menschen bringt. So soll die Stiftung eines Klosters, wo nur das betrachtende Leben geübt und alle unmittelbare seelsorgerische Wirksamkeit abgelehnt wird, zuerst gesehen werden als die schönste Lebensäusserung der Kirche, weil darin die Anbetung Gottes den Höhepunkt erreicht und in dieser Hinsicht der Kirche eine charakteristische Note gibt[6]. Die Kirche darf sich nicht verlieren in nur aüsserer Wirksamkeit, sie soll vor allem Gott loben und preisen und dieser Anbetung in ihrer Organisation die ihr zukommende Stelle einräumen. Wenn es möglich wäre, könnte die Kirche sich ganz dieser Aufgabe widmen, es ist aber von Gott anders gewollt. In seiner weisen Vorsehung hat Er es so angeordnet, dass nicht nur für das materielle Leben, sondern auch für die Verbreitung seines Reiches auf Erden die menschliche Arbeit unaufhörlich erfordert wird und die meisten sich dieser [7] Anbetung nur kürzere Zeit hingeben können. Deshalb ist es so schön, dass die Menschen sich bemühen, wenigstens einige dafür frei zu machen und ihnen die Gelegenheit zu bieten, diese Anbetung und Lobpreisung des Herrn auf längere Zeiten auszudehnen, ja, sogar ihr das ganze Leben zu widmen. Die wunderbare Organisation der Kirche hat es ermöglicht, dass diese engelartige Aufgabe der Kirche von bestimmten Organen in schönster Weise erfüllt wird, von Personen, die Gott dazu berief und denen die menschliche Gesellschaft hilft diesen Ruf zu folgen. Ich sagte schon, das ist keine eigentliche Stellvertretung, das betrachtende klösterliche Leben nimmt seine eigene Stelle in der Kirche ein und gehört zu ihrem vollständigen Ausbau. Die Herrlichkeit der Kirche würde am schlimmsten beeinträchtigt, wenn diese Organe in ihrer Organisation keinen Platz finden könnten. Dieses betrachtende Leben der Anbetung und Lobpreisung Gottes, wahren Gottesdienstes und vollständiger Hingabe des Menschen ist ein Ehre der Katholischen Kirche, eine Ehre, die sie krönt mit einer Engelskrone.

Besonders in der Mission, wo die Arbeit immer schwer ist, wo von den Arbeitern im Weingarten des Herrn unaufhörliche Arbeit verlangt wird, wo das aktive Leben scheinbar an erster Stelle steht, soll diese Krone der Kirche nicht genommen werden, besonders nicht in der Mission, wo die Herrlichkeit der Kirche glänzender strahlen soll als irgend wo anders. Da soll [8] die Ehre Gottes, seine Anbetung und die Betrachtung seiner Liebe und Gnade eine hervorragende Stelle einnehmen, wenn es möglich wäre noch mehr als bei den Teilen der Kirche, welche das religiöse Leben nach allen Richtungen ausgebaut haben. Für die Heiden, welche noch zu dem Dienst Gottes gebracht werden sollen, ist es ein Zeichen, dass auch für die katholische Mission die Ehre Gottes das Höchste ist, weit höher steht als alle übrige menschliche Arbeit. Sie gibt eine himmlische Auszeichnung für die schwere menschliche Arbeit, die in der Mission geleistet wird und wird den Heiden mit tiefer Ehrfurcht erfüllen für eine Religion, worin die Ehre Gottes, seine Anbetung und die Betrachtung seiner Wesens und seiner Werke eine so hervorragende Stelle einnimmt, dass dafür von beiden Seiten grosse Opfer gebracht werden, nicht nur von denjenigen, welche sich diesem Leben widmen, sondern auch von denjenigen, welche ihnen diese Hingabe ohne weitere materiellen Sorgen und weltlichen Beschäftigungen ermöglichen. Der innerliche Charakter der Religion spricht in dieser Tat viel stärker als in so manchen Predigten über ihre Innerlichkeit. Es spricht daraus eine Ueberzeugung, stark genug, um ein solches Leben nicht nur zu loben, sondern auch praktisch zu führen, und das wird ganz bestimmt auf den so oft nachdenkenden Heiden einen grossen und starken Einfluss ausüben. Die Macht der Tatkraft ist ausserordentlich gross. Sind wir hier in den[7] Niederlanden, wo das [9] religiöse Leben schon aufgeblüht zu sein scheint, wo viele den Lieben Herrgott aufrichtig lieben und sich der Sache seiner Ehre ernst annehmen, wo der Glaube und die Liebe tief in unseren Herzen gewurzelt ist, sind wir nicht erbaut, wenn wir an den Klosterbauten vorbeigehen, wo wir in stiller Anbetung des Herrn gute[8] Seelen diesem betrachtenden Leben gewidmet wissen, und bedeutet es für uns nicht jedesmal einen Aufruf zur Innerlichkeit. Ist es nicht, alsob wir jedesmal wieder die Worte des Herrn hören: Maria hat den besten Teil erwählt.[9] Und ist nicht manche Gott wenig ergebene Seele erbaut von diesem heroischen Beispiel, das ihr von meist schwachen Frauen gegeben wird, deren Stärke die Liebe ist, deren Kraft der Herr ist, dem sie sich als Braut gewidmet haben, und welcher sie als ein königlicher Bräutigam mit Ehre und Herrlichkeit auch in den Augen der Welt gekrönt hat. Und meinen sie, meine Damen und Herrn, dass auf einen Heiden ein solches Beispiel ohne Einfluss bliebe?[10] Ich bin sicher, dass es in ihren tiefsten Gedanken und auch in ihren Gesprächen betrachtet wird als etwas ganz Eigenes der ihnen gepredigten Kirche, das ihnen den innerlichen Charakter, ihre himmlische Art am deutlichsten zeigt. Ich wiederhole hier, dass wir dieses betrachtende Leben nicht als Stellvertretung fassen dürfen. Sie beten und ehren Gott nicht statt der Missionare, welche dazu [10] die Zeit nicht finden, sie beten mit ihm und breiten sein Gebet aus. Es ist ein Gebet, das kürzere, sogar das kurze der in schwerer Arbeit unaufhörlich tätigen Missionare und das längere, unaufhörliche Beten und Betrachten der beschaulichen Orden in der Mission. Es ist falsch, das betrachtende klösterliche Leben dem Leben der Missionare gegenüber zu stellen, sie sollen in stetiger Vereinigung und sogar ganz zusammengewachsen betrachtet werden. So soll es auch der Missionar selber betrachten. Das betrachtende klösterliche Leben innerhalb der Mission ist ihm eine Anweisung, dass auch er, wenn auch von seiner Arbeit unterbrochen, sich immer wieder der Betrachtung widmen soll und er sich mit den Beschaulichen seiner Mission zu vereinigen hat. Wenn er bei seiner schweren täglichen Arbeit zu den Klöstern des beschaulichen Lebens in seiner Mission hinaufschaut, so soll er wieder das Gloria in excelsis Deo der Engel über der Krippe hören und sich bemühen diesen himmlischen Gesang mit an zu stimmen und, wie einmal die Hirten zur Anbetung des Königs, einen Augenblick in Gedanken nach Bethlehem gehen. Diese Engel des betrachtenden klösterlichen Lebens werden immer wieder den Geist der Betrachtung innerhalb der Mission lebendig halten und wenn auch die Missionare nicht gerade so viel Zeit der Betrachtung widmen können, die Stiftung beschaulicher Klöster innerhalb seiner Mission wird allen zeigen, wie auch der Missionar dieses Leben schätzt und es für notwendig hält. [11]

Keine Gegenüberstellung, sondern immer engere Annäherung. Auf der Himmelsleiter sollen die verschiedenen Stufen des Gebetes, nicht nur die höchste ohne die tieferen zu finden sein. Ein jeder nach seinem Vermögen soll auf dieser Leiter emporklettern, und wenn man auch die höchste Höhe nicht erreichen kann, dazu auch nicht von Gott berufen ist, so soll man sich doch keineswegs von den Gliedern der betenden zurückziehen sondern alle mit einander unter Anführung der in erster Linie Berufenen sollen die Leiter hinaufschauen, um das Ziel der Missionstätigkeit: Gott und die Verbreitung seiner Ehre niemals aus den Augen zu verlieren. Ist die erste Aufgabe der Betrachtung innerhalb der Mission die ‘contemplatio in laudem Dei’ ‘Betrachtung zur Anbetung und Lobpreisung Gottes’, die zweite ist noch immer, wie es der H. Thomas sagt: ‘contemplata aliis tradere’ ‘das Betrachtete andern weitergeben’. Ein Missionar, welcher die Betrachtung vernachlässigt, ist ein unglücklicher Mensch[11]. Er entbehrt, was ihm an erster Stelle not tut. Auch der Missionar ist ein Mensch, wenn auch von Gott in ganz besonderer Weise erleuchtet und in Liebe entzündet. Zwei Dinge darf er nicht ausser Acht lassen und wie er das kann ohne Betrachtung, wird ihm wohl niemand sagen können[12]. Ich meine wiederholte Erleuchtung des Geistes, damit er die göttlichen Wahrheiten erkenne und verstehe, und Begeisterung des Willens, [12] [13] die Schwierigkeiten der Enttäuschung, die Mühe der täglichen Arbeit, die Hilflosigkeit, der er trotz so vieler Hilfe immer ausgesetzt bleibt, standhaft zu dulden und immer wieder mit neuer Kraft und neuen Mitteln durch zu halten. Schauen wir ein Augenblick auf das Beispiel der grossen Missionare, nein, schauen wir auf das Beispiel des Göttlichen Heilandes, welcher so oft, nachdem Er den ganzen Tag gearbeitet hatte, während der Nacht betete und in Betrachtung des Willens des Himmlischen Vaters Kraft fand, seine Sendung weiter zu erfüllen. Er hat uns das erhabenste Beispiel von der Notwendigkeit des betrachtenden Gebetes für den Missionar gegeben. In treuer Nachfolge des Heilandes haben die grossen Missionare hohen Wert auf die Betrachtung gelegt und haben sie oft stundenlang gebetet, besonders in schwieriger Lage, wenn die Enttäuschung den Blick umschleierte und keinen Ausweg zum Erfolg hin offen liess, wenn die Kraft des Geistes unter der drückenden Last der Schwierigkeiten zu erliegen drohte. Das Leben der grossen heiligen Missionare ist reich an Zügen von hoher Ehrfurcht vor der heiligen Kraft der Betrachtung. Sie haben es alle verstanden, dass es für den Priester und vor allem für den Missionar eine gebieterische Pflicht ist, oft seine Zuflucht zur Betrachtung zu nehmen, weil sonst die Einsicht in die ewigen Wahrheiten schwächer und schwächer wird und damit auch die [13] Begeisterung für das Himmlische und Göttliche abnimmt. Die Betrachtung ist die tägliche Nahrung, kraft der das Leben der Wahrheit in der menschlichen Seele und die Tatkraft des Willens erhalten bleiben. Wenn sich der Missionar in seine Arbeit verliert und alles darauf hinrichtet, dass er nur immer weiter arbeitet, ohne sich der Betrachtung zu widmen oder einige Zeit für diese unentbehrliche höhere Arbeit frei zu machen, wenn er als Führer im Kriege zur Eroberung der Welt für das Reich Gottes nicht immer wieder seine Instruktionen einholt bei dem obersten Kriegsherrn, wenn er den Kontakt mit der mächtigen Nachhut nicht unterhält und sich im grossem Heer der Gemeinschaft der Heiligen nicht kümmert um die Teilnahme in dem gemeinsamen Gebet, in der kindlichen Anbetung und Lobpreisung Gottes, so ist er sichselbst überlassen und steht allein im schweren Kampfe, und wird seine Arbeit fast sicher scheitern und es ihm nicht gelingen, der vielen Schwierigkeiten, die er zu überwinden hat, Herr zu werden.

Mein Auftrag ist, zu sprechen über das betrachtende klösterliche Leben innerhalb der Mission. Man würde meinen, dazu gehöre kaum, auch von der Betrachtung der Missionare zu sprechen und doch meine ich, dass ich auch davon zu reden hätte. Gewiss, man denkt zuerst an die Stiftung von Klöstern, worin man sich ganz dem beschaulichen Leben hingibt, diese sollen jedoch in der ganzen Mission den Geist der Betrachtung leben lassen und allen [14] nicht nur die Schönheit sondern auch die Notwendigkeit und den grossen Wert der Betrachtung zeigen, mit der glücklichen Folge, dass alle innerhalb der Mission tätigen Kräfte dort die Erhaltung ihrer Energie suchen und finden. Das Kloster für betrachtendes oder beschauliches Leben steht in der Mission nicht vereinzelt da, es ist vielmehr ein Brennpunkt, woraus das betrachtende Leben seine Glut über das ganze Missionsgebiet ausgiesst und in den Herzen der Gottgewidmeten Seelen, welche sich zur Missionsarbeit berufen fühlen, ja, berufen wissen, den Drang zur Betrachtung lebendig hält zum nicht mehr messbaren Segen und zur Fruchtbarkeit der Mission. Wir müssen das alles einheitlich, harmonisch und organisch betrachten. Mit der Gründung von Klöstern beschaulichen Lebens innerhalb der Mission kommt eine himmlische Atmosphäre über sie, die das Leben leichter und erhabener gestaltet, die das Werk enger mit Gott verbindet und die Verbindung mit Gott sicher stellt trotz so mancher Kräfte die die menschliche Arbeit al zu menschlich auffassen lassen und zur Abneigung von Gott drängen. Wenn man sagen würde, dass die Missionare auch wenn sie der Betrachtung die gebührende Stelle in ihrem Leben einräumen, noch nicht das betrachtende klösterliche Leben führen, so muss ich da ein Bedenken aüssern, weil nicht nur [15] die meisten Missionare Religiose sind, sondern [14]im allgemeinen durch Arbeit und Lebensverhältnisse das klösterliche Leben in oft vollkommener Weise führen als viele Religiose, in den Klöstern ausserhalb der Mission. Die Lebensgeschichte gar vieler Missionare erzählt uns von den heroischen Tugendübungen die Opfer an Gehorsam, Armut und Keuschheit verlangen, wovon man ausserhalb der Mission kaum eine Ahnung hat. Das klösterliche Leben wird ganz bestimmt leichter und viel leichter innerhalb der ruhigen und friedsamen Klostermauer gelebt als inmitten der anstrengenden und zerstreuenden Arbeiten in der Mission, das heisst aber gar nicht, dass es inmitten dieser Arbeit verloren geht. Im Gegenteil wagen wir zu sagen, dass viele Religiose, erprobt in der Uebung der Tugend, in der Mission sogar ausgezeichnete Religiose bleiben und wir in der H. Kirche viele dieser als Heilige Religiose verehren. Sie haben mit der H. Catharina von Genua ihre Zelle in ihr Herz verlegt und haben da mit dem lieben Herrgott oft in stetiger Betrachtung sich unterhalten. Sie zeigen uns, dass die besten Missionare die sind, welche ‘contemplata aliis tradunt’, welche, nachdem sie die göttlichen Wahrheiten betrachtet und beschaulich überdacht haben, diese mit herrlicher Begeisterung dem Volke verkündigen und in [16] Vereinigung mit Gott das schwere Leben bis zum Tode mit Heldenmut führen. Diese Heiligen sind es, welche auch am ersten den grossen Vorteil der beschaulichen Klöster innerhalb der Mission eingesehen haben und für die Gründung solcher Klöster schwere Opfer gebracht haben. Sie haben nicht nur selbst in der Betrachtung die starke Kraft gefunden, die sie aufrecht gehalten, sondern, weil sie diesen Schatz so hoch schätzten haben sie seine Erwerbung und Bewahrung sichern und erleichtern wollen dadurch dass sie Klöster gründeten oder die Gründung da vorbereiteten wo unter den günstigsten Bedingungen das betrachtende Leben seine Segnung und seine Kraft der Mission mitteilen konnte. Ich brauche nur aus der Geschichte unseres eigenen Landes hin zu weisen auf das Beispiel des hl. Bonifatius, welcher nicht ruhte, bevor er neben dem Hauptkloster seiner Missionare zu Fulda auch ein Kloster für beschauliche Benediktinerinnen gegründet hatte, wo seine eigene Schwester Aebtissin wurde. Wie er in seinen Briefen uns schreibt, hat er diese Gründung vorgenommen, um in seiner Mission den Geist des beschaulichen Lebens zu erhalten und zu bewahren, und zugleich stiftete er Klöster für Männer wo, wenn auch nicht in so grosser Abgeschlossenheit von der Welt wie im Frauenkloster, doch soviel wie möglich das aktive Leben des Predigens unterbrochen wurde von Ruheperioden stiller Contemplation, damit die Missiona- [17] re wieder erquickt und erholt, mit neuer Begeisterung die sie aus der Betrachtung geschöpft hatten, das Predigeramt wieder aufnehmen konnten. Es würde nicht schwer sein in der Geschichte vieler Missionen ähnliche Beispiele zu finden. Von einem hl. Franz Xaver wissen wir, welchen hohen Wert er auf die tägliche Betrachtung gelegt hat und wie er oft nach schwerer Tagesarbeit die Nacht benützte um das, was ihm am Tage nicht möglich war nachts einzuholen. Die Betrachtung war ihm das tägliche Brot für die Erhaltung der Lebenskraft in seiner schwierigen Missionsarbeit. Das nämliche lesen wir in der Geschichte nicht nur des grossen Apostels von Asien, sondern auch in der des grossen Apostels von Amerika, des hl. Petrus Claver. Stunden verbrachte er im Gebet und in extatischer Betrachtung. Er lebte in himmlischen Sphären und drängte auch seine Mitarbeiter zu ständiger Uebung der Betrachtung als Quelle himmlischer Kraft. Und wenn wir von diesen zwei Aposteln des Ostens und des Westens hinschauen zum schwarzen Erdteil, so sehen wir im musterhaften Leben des grossen Apostels von Afrika, der zwar noch nicht selig oder heilig gesprochen ist, aber allgemein geehrt wird und allen Missionaren ein ergreifendes Beispiel ist, ich meine Kardinal Lavigerie, wie auch er zuerst darauf bedacht war, das betrachtende Gebet in seinem Missionsgebiet für die Arbeiter sicher zu stellen und die Gründung eines Klosters von Karmeliterinnen schon darum [18] forderte und schliesslich durchsetzte, weil er dadurch das geistliche Leben, das betrachtende Gebet seiner Missionare am meisten zu fördern meinte. Mit diesem Kloster sollten alle sich vereinigen in Gebet und Opfer, es war für ihn wirklich der Brennpunkt des geistlichen und beschaulichen Lebens, nicht, um dieses Leben innerhalb der Mauer dieses Klosters zu bewahren und zu erhalten, sondern vielmehr, um dadurch der ganzen Mission den guten Einfluss der Betrachtung mitzuteilen.

Damit komme ich schliesslich zum dritten Punkte meines Vortrages. Nachdem ich den hohen Wert des betrachtenden klösterlichen Lebens innerhalb der Mission hervorgehoben habe als contemplare in laudem Dei, als die schönste Aeusserung der Anbetung und Lobpreisung Gottes, und weiter zweitens, als die Quelle wahrer Missionstätigkeit hingestellt habe das: ‘contemplata aliis tradere’, die Mitteilung des Betrachteten und in seiner Schönheit Empfundenen an andere durch Predigt aus der Fülle des Herzens und aus dem Ueberfluss des Wissens heraus, komme ich jetzt zur dritten Eigenschaft der Contemplation, zu ihrem sozialen Charakter, zu ihrer Funktion, die Gnade Gottes herabzurufen über die Mission. Das ist für sehr viele sogar die Hauptbedeutung eines beschaulichen Klosters in der Mission. Ich gestehe, dass auch ich darauf grossen Wert [19] lege, ich muss jedoch warnen, darin den einzigen Vorteil eines betrachtenden oder beschaulichen Klosters zu sehen, ich meine sogar, dass die beiden oben erwähnten Bestimmungen des Klosters ausreichend klar machen, dass man das betrachtende klösterliche Leben nicht zu einseitig betrachten und nicht ausschliesslich darauf hinweisen soll, dass derartige Stiftungen die Gnade Gottes am besten über die Missionsarbeit herabrufen. Dass sie vor allem die Ehre Gottes in der Mission hochhalten und förderen, ist vielleicht wichtiger als alle weitere Eigenschaften, besonders wenn wir bedenken, dass Gott es nicht unbelohnt lässt dass wir ihn ehren und dass wir diesen Lohn eigentlich als Ursache der diesem Leben eigenen Wirksamkeit und Fruchtbarkeit anzusehen haben.

Es ist nicht richtig den Wert dieses Lebens nur als Lohn an zu deuten, es hat seinen eigenen Wert und beabsichtigt zuerst die Ehre Gottes. Weil jedoch die Ehrung Gottes es mit sich bringt, dass wir auch die Ausbreitung seines Reiches in die Hand nehmen wird der Lohn umso herrlicher sein, je mehr wir Gott ehren, und am Ende darin bestehen, dass Gott uns die Seelen anderer Menschen in die Hand gibt, um sie zur seiner Liebe hin zu lenken, und so müssen wir auch auf diesen Wert des betrachtenden klösterlichen Lebens innerhalb der Mission hinweisen. Es ist kein geringer Wert, der hier [20] diesem Leben beigelegt wird. Dazu geht doch der Missionar in die Mission, damit er Seelen erobere für das Reich Gottes und dieses Reich immer weiter ausbreite über die Welt. Er hat seinen guten Willen, und damit schon ein Verdienst, womit er ganz bestimmt schon etwas erreicht. Er fühlt sich jedoch schwach und hilfsbedürftig und er ist es auch in verschiedener Beziehung. Er steht allein in seiner Arbeit und gegen ihn erheben sich mächtige Kräfte, deren er kaum Herr zu werden weiss. Er hat grosses Vertrauen auf die Macht und die Güte des Herrn, weiss aber, dass der Herr, welcher uns ohne unsere Mitwirkung geschaffen hat, den Menschen nicht ohne menschliche Mitwirkung zur ewigen Seligkeit bringen will, dass er ständig die Mitarbeit der Menschen fordert, um durch ihre Verdienste für einander, das Himmelreich in jedem einzelnen fester zu gründen und in grösserer Herrlichkeit zu offenbaren.

Wenn irgendwo, so ist in der Missionsarbeit die Communio Sanctorum, die Gemeinschaft der Heiligen, die wir jeden Tag im Credo bekennen, eine überaus wichtiger und kräftiger Trost. In diesem Lichte steht der Missionar nicht mehr allein und vereinzelt, sondern erscheint als Mitglied des mystischen Körpers, der im Leben des Ganzen immer wieder teilnimmt.

Diese Communio sanctorum, diese Gemeinschaft der Heiligen, gibt der Missionsarbeit die Kraft, den eigentlichen Wert. Wir [21] sagen es frei und offen, auch wenn die Missionare Heilige sind, die ein grosses Verdienst für die Rettung der Seelen haben. Gott wird ihnen ihren Lohn nicht vorenthalten, dieser Lohn aber ist nur noch ein geringer Teil der Frucht und der Wirksamkeit, die der Missionsarbeit verliehen ist kraft der Communio Sanctorum.

Ich komme hier zur schönsten Seite des Apostolats, zu seinem nicht nur aüsseren sondern auch innern Charakter. Gottes Reich ist ein Reich der Gnade. Mein Reich ist nicht ein Reich von dieser Welt, und es wird auch nicht ausgebreitet in der Weise, wie sich die Reiche der Welt ausbreiten.[15] Wenn Gott menschliche Arbeit verlangt und seine Apostel in die Welt schickt mit dem Befehl, sein Gesetz zu predigen und seine Liebe zu verkündigen, alle Menschen zu taufen, den Kranken die Hände auf zu legen und dazu sagt, dass Er mit seinen Aposteln sein wird bis zum Ende der Zeiten, das äussere Apostolat deshalb anordnet für alle Zeiten[16] und diesem seine Hilfe zusagt, so ist damit ganz bestimmt der menschlichen Arbeit eine wichtige, überaus wichtige und bedeutende Rolle in der Verbreitung des Gottesreiches anvertraut; und so hat die Kirche auch auf diese Arbeit grossen Wert zu legen und sie nach menschlicher Einsicht so gut wie möglich zu organisieren und auszunützen; sie hat bei der Sendung aüssere Talente und Begabungen zu unterscheiden und zu würdigen, so wie der Missionar die schwere Pflicht hat das Aüsserste zu tun, um durch [22] stetige Arbeit auf dem Missionsfelde den Samen auszusähen, den Boden reinzuhalten und die Ernte einzuhohlen. Mit seinem Schweiss muss er den Boden tränken, und immer bedenken dass Gott seine Arbeit verlangt, und dass Er es ist, der die Frucht und das Gedeihen gibt[17].

Und nicht nur die Arbeit der Missionare wird von Gott verlangt, Er sagt es selber, die Zeit der Ernte ist da[18], bittet den Vater dass Er immer wieder neue Arbeiter in seine Felder sende.[19] Die Ernte ist gross, die Zahl der Arbeiter aber ist zu klein. Nein, das Apostolat sollen wir nicht nur innerlich, sondern nach Gottes Anordnung stets auch sehr aüsserlich sehen. Glücklicherweise wird es so auch noch immer von vielen betrachtet und besonders in unserem Vaterlande fühlen sich jedes Jahr hunderte von jungen Leuten zur Arbeit in den Missionsgebieten berufen. Grosse Genossenschaften sind gegründet mit keinem anderen Zweck als dem, diese jungen Berufenen aufzunehmen und für ihren hohen Beruf vorzubereiten, sie zu tüchtigen Arbeitern auszubilden. Die älteren Orden haben für die Missionsarbeit immer wieder neue Begeisterung gezeigt und schicken ihre besten Kräfte in die Mission. Ein ganzes Heer ist allein von unserem Vaterlande in die Welt geschickt, um das Reich Christi zu predigen und in die Herzen der Heiden zu pflanzen. Nicht nur Priester gehen in die weite Welt zu dieser erhabenen Sendung, Klosterfrauen [23] der verschiedensten Orden und Kongregationen, Laienbrüder in grosser Zahl begleiten die Priester und bieten unentbehrliche Hilfe in Krankenhäusern, Schulen und sonstigen Einrichtungen. Und neben dieser grossen Zahl geistlicher Personen erscheinen auch immer mehr Weltleute um diesem Heere ihre Hilfe anzubieten, und, wie wir hier auf diesem Kongress mit Erstaunen sehen und bewundern, gross und von wirklich hoher Bedeutung ist die medische Missionsarbeit, die innerhalb und ausserhalb der Mission geleistet wird. Und wenn wir sehen auf das Heer der stillen Eiferer, Helfer und Helferinnen[20], welche durch ihre Propaganda und ihre Sammlungen eine nicht genug zu würdigende aüssere Hilfe bringen, so ist der Zahl der Arbeiter kaum gering zu nennen, ist sie zahlreich wie der Sand am Meere und dass diese Zahl noch immer gering zu nennen sei verstehen wir nur wenn wir zugleich schauen auf die Millionen[21], welche den Christus noch nicht anbeten und noch ausserhalb seines Gottesreiches stehen.

Nicht genug kann darauf hin gearbeitet werden, dass immer noch mehr zur Verstärkung dieses Heeres getan wird, dass nicht nur die Zahl der Missionare vergrössert, sondern auch ihnen die Wege gebahnt werden zum Ziele zu kommen, dass ihnen die Mittel werden gegeben, ihre Arbeit zu gut wie möglich zu organisieren, kurz die aüsserliche Missionsarbeit zur höchsten Entwicklung zu bringen und unter den besten Verhältnissen [24] ausüben zu können. Es ist Gottes Anordnung, dass wir hier heute Abend hohen Wert zu legen haben auf den innerlichen Charakter der Missionsarbeit, und wir tun das auch gerne und sogar mit grosser Freude, weil das die schönste Seite des Apostolats ist, doch möchte ich nicht die göttliche Anordnung ausser Betracht lassen, die die Missionsarbeit deutlich und wiederholt als eine äusserliche empfohlen und befohlen hat. Dazu hat der Heiland zu grossen Wert auf die menschliche Mitwirkung gelegt, wir dürfen diese nicht geringer anschlagen, als Er es tat, Er hat die Erlösung des Menschen in die Hände seiner Mitmenschen gelegt und wir werden uns schwer zu verantworten haben über die Seelen, welche Er von uns und durch unsere äussere Mitwirkung mit seiner Erlösungsarbeit gerettet sehen will. Es könnte noch viel mehr geschehen als bis jetzt geschieht. Es ist niemals genug, und die hier anwesenden Missionare werden es gestehen, ihre äussere Arbeit bedarf noch grösster Ausbreitung und die Hilfsmittel einer starken Bereicherung, die Lebensbedingungen müssen noch weit besser gestaltet werden. Es muss noch soviel geschehen, was aus Mangel an Mitteln und infolge ungünstiger Verhältnisse nicht möglich ist so dass sie mit Recht sagen können, was ich auch dieser Tage aus dem Mund eines Missionars hörte, die Mission ist wie ohne Boden. Es sieht fast so aus, als ob noch alles zu tun sei, es ist fast [25] mehr zu tun, als schon geschehen ist. Fast zwei tausend Jahre sind vorbei gegangen, seitdem der Heiland sein Sendungswort gesprochen, und noch immer bleiben Millionen[22] zu bekehren. Und das ist nicht der Fall, weil die Völker die Botschaft des Evangeliums nicht hören oder aufnehmen wollen, auf verschiedenen Missionsfeldern würde die Ernte grösser, viel, viel grösser sein, wenn nur die Mittel da waren und die menschliche Arbeit einsetzen könnte. Sehr oft muss der Missionar mit Tränen in den Augen die Leute zurückweisen, welche einen Priester oder einen Missionsposten brauchen und darum bitten, oft muss er ruhig daheim bleiben, weil ihm die Mittel fehlen, zu den Leuten zu gehen, welche seine Anwesenheit verlangen. Noch immer ist wahr, was der Göttliche Heiland einmal sagte: Die Zeit der Ernte ist da, [23] es fehlen die Arbeiter und die Mittel, die Ernte ein zu hohlen.

Es muss jedoch auch auf eine andere Seite des Apostolats hingewiesen werden, auf seine innerliche Seite, welche den Pessimismus, den der Blick auf das Aüssere wecken möchte, unterdrückt und uns zeigt, dass uns doch viel mehr Mittel zur Verfügung stehen, als wir meinen, und dass wir deshalb in der Lage sind, der Missionsarbeit neue Kräfte zuzuführen und neue Früchte zu garantieren. Es ist merkwürdig, wie der liebe Herrgott mit der [26] menschlichen Arbeit Segen und Frucht verbindet. Wenn Er diese menschliche Arbeit verlangt, so ist sie doch nicht das einzige, das Er fordert. Er will, dass wir damit das Innerliche verbinden und das innere Leben betrachten als eine Stütze und eine Quelle des Segens und der Gnade für das äussere Leben.

Als die Apostel Ihn fragten, wie sie beten sollten, hat Er zugleich mit der Heiligung seines Namens das ‘Zukomme Dein Reich’ beten lassen[24] und unaufhörlich geht diese Bitte zum Himmel. Die Missionsarbeit braucht die Hilfe und Stütze des Gebets und nur, wenn die äussere Arbeit vom inneren Leben begleitet wird, kann sie die Früchte bringen die wir erhoffen. So verstehen wir es auch, dass wir nicht nur gelegentlich ein kurzes Gebet für die Mission beten sollen, sondern dass wir diesem Gebet einen besonderen Platz einzuräumen haben und davon die Frucht erwarten müssen, die wir mit der Missionsarbeit gerne verbunden sehen möchten. Ohne Gottes Hilfe wird das Reich seiner Gnade nicht über die Welt gebracht, wenn Er auch will dass die menschliche Arbeit eine sehr bedeutende, scheinbar sogar die erste Rolle spielt. Dem ist nicht so. Viel zu wenig noch haben die Missionsfreunde begriffen, wie notwendig das innere Leben für Verkündigung des Gottesreiches ist. Denken wir doch immer wieder an das Bild, das Gott [27] selber gewählt hat, um uns eine Idee von seiner Kirche bei zu bringen und uns einigermassen zu verstehen zu geben, wie wir seiner H. Kirche die volle Lebenskraft mitteilen können und ihre Blüte zu sichern vermögen.

Wie in einem Körper das Wachstum und die Überwindung von Krankheiten aller Art am besten gesichert ist, wenn der Körper durchaus gesund ist und die verschiedenen Lebensfunktionen ohne Beschwerden ausgeübt werden, wenn vor allem das innere Leben stark ist, so ist es auch mit dem mystischen Körper, der die Kirche ist. Auch in der hl. Kirche ist die erste Bedingung für Wachstum und Blüte, dass das innere Leben so stark wie möglich entwickelt werde. Daraus entspringt wie aus einer unerschöpflichen Quelle das Leben für die einzelnen Teile.

Die Kirche wird nie katholisch sein können, wenn sie nicht zuerst heilig ist. Die Heiligkeit bringt sie über die Erde, nicht nur weil sie als die heilige Kirche Bewunderung erzwingt und dadurch Eingang findet, doch vielmehr weil sie dadurch auf das innigste mit ihren Bräutigam vereinigt und verbunden bleibt, durch dessen Kraft sie doch wachsen und sich vermehren soll. Nicht umsonst hat der Heiland zugleich mit seiner Sendungsbotschaft an seine ersten Apostel gesagt: Ich werde mit Euch sein.[25] Damit hat er angegeben, wo die geheime Kraft liegt, womit sie die Welt erobern sollen. [28]

Und gerade weil in dieser Vereinigung mit Christus die Frucht der Sendung verbürgt ist, so haben wir den grössten Wert darauf zu legen, dass in der Mission alle Mittel Anwendung finden, die sie am engsten mit dem Heiland verbunden und vereinigt halten. Der mystische Körper wird aber zusammengehalten und in seiner Verbindung mit dem Haupte sowohl als mit den verschiedenen Gliedern zur vollkommensten Einheit gebracht durch das innere Leben, die communio sanctorum, worin wir alle mit einander und alle mit Christus leben und das Leben Jesu in unserem Leben zum Ausdruck bringen. So können wir durch die Aufopferung unserer täglichen Arbeiten und die Erfüllung unserer Alltagspflichten mit und für Christus als Glieder seines mystischen Körpers, ein jeder an der ihm zugewiesenen Stelle und in der ihm zu Teil gewordenen Funktion nicht wenig beitragen zur Verbreitung des Reiches Christi.

Wenn wir so die Missionsarbeit betrachten, und das sollen wir doch immer tun, so sehen wir das Heer der Missionare um Millionen vermehrt und ist es uns wie dem Diener des Elisaeus in Samaria, welcher auf die Bitte des Propheten hin in einer Visio die Heerscharen schaute, welche Gott zum Schutze seines Dieners aufgestellt hatte.[26] Wenn noch soviele Millionen den lieben Herrgott nicht kennen, so ist das ein klarer Beweis, dass die vielen Millionen, welche ihn kennen, [29] sich nicht mit Ihm vereinigen in seiner Erlösungsarbeit und es vernachlässigen, mit seinen Aposteln Apostel zu sein durch innere Verbindung mit allen Gliedern des mystischen Körpers. Dazu ist es notwendig, dass hier wie dort von Gott dazu berufene Personen sich ganz diesem innerlichen Leben hingeben, nicht nur, um durch dieses innere Leben die Lebenskraft der Kirche zu steigern, ihre Heiligkeit zu vermehren und ihrer Wirksamkeit neue Fruchte zu sichern, sondern auch um allen, die sie sehen, in Erinnerung zu bringen, dass auch sie mitarbeiten können und sollen, die Mission fruchtbar zu machen. Gerade weil soviele es vergessen und vernachlässigen, ist es so schön, dass andere sich dieser heiligen Pflicht ganz und fürs Leben widmen. Die heilige Teresia hat es immer als die schönste Aufgabe ihres Lebens betrachtet, Klöster zu stiften welche gegenüber sovielen, welche den lieben Herrgott in seiner Erlösungsarbeit für die Welt allein lassen, sich aufs innigste mit Ihm verbinden und sich Ihm ganz hingeben. Sie hat es, nicht nur gegenüber der aufkommenden Reformation sondern auch gegenüber der geringen Liebe, womit das Reich Gottes ausgebreitet wird, als die herrlichste Aufgabe ihrer beschaulichen Klöster betrachtet, dass sie unaufhörlich beten und ihre guten Werke aufopfern, damit Gott dafür seinen [30] Segen gebe über die Arbeit in der Seelsorge und in den Missionen. Sie hat den sozialen Charakter des mystischen Lebens so oft hervorgehoben, dass ihre Stiftungen ganz von diesem Gedanken erfüllt waren und es immer als ihre erste Aufgabe betrachtet haben, das heilige und mystische Leben, ihre Betrachtungen und Gebete sozial zu sehen und eine eigene Stelle im Apostolat der Kirche ein zu nehmen. Im Karmel ist dieses Apostolat des inneren Lebens besonders durch die erhabene Lehre der hl. Teresia Gemeingut aller Mitglieder geworden, etwas Selbstverständliches. Die Vereinigung mit Christus bedeutet zuerst eine Vereinigung mit seiner Liebe, die gleicherweise ausgeht zu allen Menschen und deshalb zuerst zu den Herzen, welche seine Liebe noch nicht kennen lernten.

Gewiss, die Gemeinschaft dieses inneren Lebens und sein Einfluss auf die Verbreitung des Gottesreiches ist nicht an Städte und Länder gebunden. Die hl. Teresia hat in Spanien gebetet und ihre Schwestern in ihre Klöster zusammengebracht für die Ketzer in Deutschland, für die schlechten Christen in Amerika, für die Heiden in Afrika. Sie ist ruhig in Spanien geblieben. Auch ihre grosse Nachfolgerin, die hl. Teresia von Lisieux hat im Kloster dieses Städtchens ihren Eroberungsgang durch die Welt gemacht, man sollte meinen, wenn [31] auch die Gründung vieler beschaulichen Klöster zu empfehlen ist, damit für die Missionen gebetet und das Leben aufgeopfert wird, so kann das doch am besten geschehen in den schon katholischen Ländern, wo solch eine Stiftung viel leichter möglich ist, die Berufe zahlreicher, die Leitung und Versorgung bequemer, die materielle Lage viel sicherer ist. Ich gestehe, dass die Stiftung eines solchen Klosters innerhalb der Mission grosse Schwierigkeiten mit sich bringt und nicht nur die Stiftung, sondern auch die Weiterführung. Das nimmt aber nicht weg, dass die Stiftung innerhalb der Mission so grosse Vorteile bietet, dass diese wenn nur eben möglich, nie unterlassen werden soll. Zuerst wird die Gründung innerhalb der Mission für ihre Leitung der Ausdruck sein ihrer Ueberzeugung, dass zuerst von der Communio Sanctorum die Früchte der Missionsarbeit erhofft werden und darauf grosser Wert gelegt wird. Diese offene in einer Tat festgelegte Anerkennung des inneren Lebens in seinem Wert für das Apostolat ist sowieso schon etwas Schönes für die betreffende Mission und ehrt ihre Leitung, die sich dadurch weise und voll Einsicht zeigt, in die Bewertung der Mittel, die ihr zur Ausübung ihres Apostolats zur Verfügung stehen. Sie wird in der Mission den Gedanken stärken, dass man ohne diesen Weg des inneren Lebens nicht zum Ziel [32] kommt. Was für eine Bedeutung das hat für die Weiter-Entwicklung des Glaubens in den Herzen der Neubekehrten, ist kaum zu sagen. Es ist immer schwer in der Mission, die Innerlichkeit des Reiches Gottes zum Verständnis zu bringen. Die Mittel dazu soll man nicht ausser Acht lassen, wenn man in der Lage ist, sie an zu wenden. Dann aber ist es auch für die Mitglieder, für die Einwohner des Hauses etwas grosses, ein solches Leben innerhalb einer Mission zu führen. Zunächst käme eine noch grössere Abgeschiedenheit von der Welt, die das Opfer der Hingabe an Gott erschwerte. Auch die materielle Lage würde in den meisten Fällen schwerer sein und deshalb neue Opfer fordern. Das alles macht das Leben reicher und voller. Das Leben innerhalb der Mission wird die Einwohner stärker durchdringen vom apostolischen Gedanken und ihren Beruf, zum Schütz und zur Befruchtung der Mission zu dienen fester und fester machen. Sie werden dadurch die schwereren Opfer leichter bringen und es sich zu einer Ehre rechnen, in dieser Weise mit zu wirken an der Ausbreitung der Kirche in der Gegend, wo die Stiftung stattgefunden hat. Dazu kommt noch, dass es zu hoffen und sogar zu erwarten ist, dass durch Gründung eines solchen Klosters innerhalb der Mission, wenn auch nicht auf einmal, doch allmählig Bewohner des Missionsgebietes sich zu diesem Leben hingezogen fühlen und [33] auch in den Herzen der Neubekehrten die Liebe zum inneren Leben geweckt wird. Wir können noch hinzufügen, dass die Einwohner dieser Klöster innerhalb der Mission, wie ich oben sagte, sind wie die Engel, welche das Gloria sangen bei der Krippe des Herrn und dass sie dieses Gloria weitersingen bei der Geburt des Herrn in jenen heidnischen Ländern, und sie so auch an zu sehen sind als ebensoviele Schutzengel der Mission, welche mit diesen Pflegern des inneren Lebens ihre Schutzengel haben soll, die wiederum in der Communio Sanctorum, mit den wirklichen Schutzengeln ein grosses Schutzheer bilden.

Die Opfer dieses Klosters werden durch die Stiftung innerhalb der Mission ein unmittelbares Gebet für die Blüte dieser Mission, welche doch Gott in besonderer Weise empfohlen werden soll. Man kann selbstverständlich in allgemeinem Sinne für die Missionen beten, wir wissen jedoch, dass die Praxis der Kirche für das Gebet besondere Intentionen nicht nur zulässt, sondern fast für jeden Zweck besondere Gebete vorschreibt und in ihrer hl. Liturgie verwendet und es also in voller Uebereinstimmung mit dem Geiste der Kirche ist, ein Kloster zu stiften mit dem ausgesprochenen Zweck, für die betreffende Mission zu beten und das Leben aufzuopfern. Das nimmt den beschaulichen Klöstern ausserhalb der Mission keineswegs den hohen Beruf, immer wieder für die Missionen im allgemeinen oder für eine [34] bestimmte Mission zu beten, das eine passt ganz gut zum andern. Wir haben oben schon hingewiesen auf das Beispiel der beiden Heiligen, der Hl. Teresia von Avila und der Hl. Theresia von Lisieux. Wir sehen aus der Lebensgeschichte der grossen Apostel beides wunderbar zusammengehen. Dem hl. Petrus Claver wird am Ende seines Lebens offenbart, dass die Frucht seines Apostolats grossenteils den Gebeten und guten Werken eines frommen und heiligen Laienbruders in seinem Geburtsland Spanien zu verdanken sei, welcher unbekannt und verborgen vielleicht mehr den Namen eines Apostels von Brasilien verdient als der hl. Petrus Claver, wenn er auch ein Heiliger und ein Missionar war, wie die Geschichte kaum einen zweiten auf zu weisen hat. In diesem Leben sehen wir wohl sehr stark den Wert der Gemeinschaft der Heiligen betont, weil sogar bei einem der heiligsten und eifrigsten Apostel die Frucht der Missionstätigkeit zuerst den Gebeten und Werken des hl. Rodriguez zugeschrieben wird. Der hl. Bonifatius war von dieser Gemeinschaft der Heiligen so innig überzeugt, dass er nicht nur, wie wir schon gesagt haben, grossen Wert darauf gelegt hat, innerhalb der Mission ein beschauliches Kloster zu gründen, sondern wir wissen aus seinem Leben, dass er vor seiner Reise in die Niederlande alle Klöster des Bistums besuchte und mit diesen, wie mit seinen Verwandten und [35] Freunden ein Bündnis schloss, dass sie fortwährend ihre Gebete und guten Werke für seine Missionsarbeit aufopfern würden. Wiederholt kommt er auf dieses Bündnis zurück und schreibt darüber als vom besten Bürgen für das Gedeihen seiner Mission. Und doch meinte er, dazu noch ein besonderes Kloster innerhalb der Mission gründen zu müssen und auch in dieser Weise den Segen über seine Mission zu sichern. Der grosse Apostel von Afrika, Kardinal de Lavigerie, welcher es so gut verstanden hat, die Missionsarbeit zu organisieren, sodass noch immer die von ihm angefangene und geleitete Arbeit in den Missionen Afrikas ein Beispiel ist für alle andere Missionen in diesem Erdteil, hat seine Missionsarbeit begonnen mit der Gründung eines Klosters von Karmeliterinnen, weil er solch eine Stiftung als das Erste und am meisten Notwendige betrachtete. Nach seinem Beispiel sehen wir einen anderen grossen Missionar in China den Bisschof Favier nicht ruhen, bevor er in seiner Mission ein Kloster von Karmeliterinnen gegründet hatte, und fast jedes Jahr lesen wir, dass in der einen oder anderen Mission ein solches Kloster gegründet wird oder um Beiträge gebeten wird, um es zu ermöglichen. Papst Benedikt der Fünfzehnte hat grosse Summen gespendet, um auf Madagascar ein Kloster von Karmeliterinnen zu stiften und in einem Rundschreiben auf die grosse Bedeutung solcher Klöster [36] innerhalb der Mission hingewiesen. Wir freuen uns, dass auch in den so schön aufblühenden Missionen auf niederländischen Gebieten dieser Gedanke lebt und die Stiftung eines Klosters von Klarissinnen von den Franziskanern in Batavia oder Weltevreden, von Karmeliterinnen von den Karmeliten in Malang vorgenommen ist und vorbereitet wird, dass sogar die ersten Besprechungen darüber schon stattfanden. Hoffentlich werden bald die letzten Schwierigkeiten überwunden.

Es ist wohl sehr merkwürdig, dass der hl. Vater in seiner weisen Leitung des Missionswesen, wodurch dieses in den letzten Jahrzehnten in wunderbarer Weise aufblüht, neben dem Muster von Aktivität, dem hl. Franz Xaver, ein Muster von innerlichem Apostolat, die hl. Teresia von Lisieux, als Patronin aller Missionsarbeit angewiesen hat und das Beispiel dieser so allgemein verehrten Heiligen, die innerliche Auffassung des Apostolats, in besonderer Weise zum Vorbild gestellt hat. Damit hat der hl. Vater die innerliche Kraft des betrachtenden klösterlichen Lebens wohl so stark wie möglich betont, und die Stiftung eines solchen Klosters wohl als Ideal für alle Missionen dargestellt. Zusammenfassend möchte ich denn auch den grossen Wert dieser Klöster ausdrücklich betonen auf dreifachem Grunde: damit [37] zuerst und vor allem die Anbetung und Lobpreisung Gottes auch in den Ländern der Mission ihre höchste und schönste Entwicklung und Aeusserung finde und mit den Bewohnern dieser Klöster alle in der Mission Gott loben und preisen und der Gesang der Engel über der Krippe bei der Geburt des Herrn auch wieder gehört werde bei seiner Geburt im heidnischen Lande; zweitens damit das betrachtende Leben zu schöner Blüte in der Mission gelange und der Missionar aus dieser Betrachtung die göttlichen Wahrheiten immer klarer und besser erkenne, sein Verstand dadurch erleuchtet, und der Willen, von neuer Begeisterung entfacht werde, um die schwere Arbeit mit heroischem Mut aufzunehmen; drittens damit das innere Leben innerhalb der Mission selbst kräftigste Stütze und ein fortwährender Bürge ihrer Fruchtbarkeit sei. Lateinisch möchte ich es noch kürzer zusammenfassen: Contemplatio in laudem Dei sit prima intentio, das Erste ist das Lob Gottes, secunda autem sit contemplata aliis tradere, das Zweite, das im Inneren Angeschaute anderen übergeben, tertia denique contemplatione gratiam erogare: das Dritte durch das innere Leben die göttliche Gnade herabrufen.

Möge in den verschiedenen Missionen diese Auffassung des inneren Lebens ihre Blüte sichern unter Schutz und Schirm der Apostel-Königin Maria, der Mutter des inneren Lebens.


  1. Typescript of a speech (NCI OP93.6), 37 pages. On top of the first page ‘26 Nov 1933’ is written. In his pocket calendar is written on 25 to 27 November 1933: ‘Missie-congres A’dam’ (NCI OP104.29). See for a newspaper review of this congress in Amsterdam: De Tijd, 27 Nov 1933. In the typescript many language corrections are made by someone else. We present the corrected text. In footnotes we specify substantive corrections.
  2. Crossed out is: ‘Der Samen wächst auf zu einem Baum mit Stamme und Zweigen, mit Blättern und Blumen, die Früchte versprechen zu rechter Zeit zur Reife gebracht. Die Frucht ist das Zeichen des reichen inneren Lebens. Den Baum, woran der Herr keine Frucht fand, liess Er verdürren, weil er das wahre Leben nicht inne hatte und nur ein Scheinleben führte, Ihm erinnerte an den gepflasterten Gräbern, mit den Er alle Scheintugend verglichen.’
  3. See: Matt 21:33.
  4. See: 1 Cor 12:12-31.
  5. ‘mit einem Akte von Gottesdienste, vor-Anbetung und Lobpreisung Gottes’ is corrected to ‘mit Gottesdienst, mit einem Akt der Anbetung und Lobpreisung Gottes’.
  6. Crossed out is: ‘diese Anbetung immer auf die erste Stelle zu drängen.
  7. ‘unseren’ is corrected to ‘den’.
  8. ‘schöne’ is corrected to ‘gute’.
  9. See: Luke 10:42.
  10. ‘dass in der vorbei geh der Heiden diesem Beispiel einflusslos verbeigeht.’ is corrected to ‘dass auf einen Heiden ein solches Beispiel ohne Einfluss bliebe?’.
  11. ‘Mann’ is corrected to ‘Mensch’.
  12. ‘Zwei Sachen sind ihm immer unentbehrlich und wie er diese zwei Sachen behält ohne Betrachtung, wird ihm wohl kein vernünftiger klar machen’ is corrected to ‘Zwei Dinge darf er nicht ausser Acht lassen und wie er das kann ohne Betrachtung, wird ihm wohl niemand sagen können’.
  13. Crossed out is: ‘damit er’.
  14. Crossed out is: ‘durch ihr Leben das religiöse Leben in oft vollkommener Weise führen’.
  15. See: John 18:36.
  16. See: Matt 10:1.8; 28:18-20.
  17. ‘dass gerade seine Arbeit von Gott gefragt wird um seiner Missionsarbeit Frucht zu verliehen und sie gedeihen zu lassen’ is corrected to ‘dass Gott seine Arbeit verlangt, und dass Er es ist, der die Frucht und das Gedeihen gibt.’
  18. ‘die Felder stehen weiss’, see: John 4:35, is corrected to ‘Die Zeit der Ernte ist da’, see: Luke 10:2.
  19. See: Luke 10:2.
  20. ‘Heer von Zelateurs und Zelatricen’ is corrected to ‘Heer der stillen Eiferer, Helfer und Helferinnen’.
  21. ‘tausend Millionen’ is corrected to ‘Millionen’.
  22. Also here, ‘tausend Millionen’ is corrected to ‘Millionen’.
  23. Also here, ‘die Felder stehen weiss’, see: John 4:35, is corrected to ‘Die Zeit der Ernte ist da’, see: Luke 10:2.
  24. See: Luke 11:1-2.
  25. See: Matt 28:20.
  26. See: 2 Kings 6:15-23.


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Published: Titus Brandsma Instituut 2021.